Frau liest am Laptop

200 Besucher am Tag aber liest überhaupt jemand deine Inhalte?

Wer kennt das nicht auch? Voller Vorfreude schaut man in sein Google Analytics Konto und stellt fest, dass die Besucherzahlen zum Vortag schon wieder etwas gestiegen sind. Wunderbar, endlich mehr Traffic und damit mehr Leute, die meine Artikel lesen. Doch halt! Stimmt das denn überhaupt? Bedeuten mehr Besucher auch gleichzeitig, dass meine Artikel gut ankommen und von meinen Besuchern auch gelesen werden?

In diesem Artikel möchte ich dir eine Methode zeigen, wie man auf rechnerischem Wege ermittel kann, ob deine Webseitenbesucher deine Inhalte auch lesen. Zum Ende des Artikels werde ich dir die Excel Dabei zur Verfügung stellen, die dir die entsprechenden Metriken gleich praktisch ausrechnet.

Warum ist es wichtig das Verhalten deiner Besucher zu kennen?

Als Author eines Artikels möchte man natürlich so viele Leute wie möglich mit seinen Texten abholen. Das schafft man am besten, wenn man qualitativ nützliche, spannende, informierende oder lustige Artikel schreibt. Die Objektivität zum eigenen Artikel geht dabei aber meistens verloren und nur weil man als Author den eigenen Text für wertvoll erachtet, muss das nicht bedeuten, dass es die Zielgruppe genauso sieht.

Aus diesem Grund wäre es doch toll, wenn man das Verhalten der Besucher und die Interaktionen mit den Inhalten der Webseite messen könnte. Somit könnte man feststellen, welche Texte gerne gelesen werden und welche nicht, um dann entsprechende Optimierungen an den “langweiligen Texten”vorzunehmen.

Mädchen liest langweilige Texte

Texte, die bei der Zielgruppe besser ankommen sind in vielerlei Hinsicht von Vorteil. Zum einen steigern qualitativ hochwertige Texte das Vertrauen der Leserschaft, wodurch diese wahrscheinlich ehr bereit sind sich in einen Newsletter einzutragen oder Produkte und Dienstleistungen zu erwerben. Das kommt natürlich der Conversionrate zu gute.

Zum anderen kehren diese Besucher auch gerne mal wieder auf die eigene Webseite zurück, um zu schauen, ob es neue spannende Inhalte gibt. Und dieses verbesserte Nutzerverhalten bleibt natürlich auch von Google nicht unbemerkt, was wiederum mit besseren Rankings belohnt wird. Bessere Rankings bedeutet mehr potentiellen organischen Traffic, dadurch mehr Besucher und mehr Conversion. Wer möchte das nicht?

Wie ermittel ich die Besucherzahlen auf meiner Seite?

Damit man die Besucherzahlen und die entsprechenden Seitenaufrufe der einzelnen Artikelseiten ermitteln kann, muss man seine Webseite zunächst mit Google Analytics verknüpfen. Google Analytics ist ein extrem mächtiges und kostenfreies Tool. Hier ins Detail zu gehen ist nicht Ziel dieses Artikels und würde den Rahmen sprengen. Dennoch möchte ich wirklich jedem ans Herz legen Google Analytics zu nutzen und seine Seite damit zu analysieren.

Ist Google Analytics implementiert, lässt sich über den Menüpunkt “Zielgruppe > Übersicht” die Besucherzahl (Sitzungen) für jeden Tag ermitteln. Ich habe das Ganze mal im Beispiel meiner Nischenseite, die ich im Affiliate Novizen Kurs aufbaue, für euch dargestellt.

 

Besucherstatistik der Webseite

Das obere Bild zeigt die gesamten Besucher der Webseite an (bzw. die Besucher, die erfasst werden). Was wir nun benötigen sind die Seitenaufrufe der jeweiligen Unterseiten und die Zeit, die die Leute im Durchschnitt auf der Seite verbringen. Dazu geht man unter “Verhalten > Webseitencontent > Alle Seiten“.

Seitenaufrufe Statistiken

 

Wie ermittle ich die Lesewahrscheinlichkeit meiner Seiten?

Um die Lesewahrscheinlichkeit zu bestimmen, benötigen wir folgende Werte:

  1. Seitenaufrufe des entsprechenden Textes
  2. Durchschnittliche Verweildauer auf der Seite
  3. Wörterzahl dieses Textes

Die Seitenaufrufe und die durchschnittliche Verweildauer erhält man wie oben beschrieben. Hier ist nur darauf zu achten, dass man den Zeitraum der Analyse lang genug wählt, um statistisch eine verlässlichere Anzahl an Werten zu haben. Mindestens 100 Seitenaufrufe sollten es schon sein. Das Schöne an Google Analytics ist, dass man sich die Daten direkt in ein Excel Sheet exportieren kann, was man später nur leicht anpassen muss.

Die Wörterzahl lässt sich in WordPress beim bearbeiten des Artikels leicht ablesen. Alternativ kopiert man den Text schnell in ein Word Dokument oder nutzt ein Tool wie www.woerterzaehlen.de, um die Wörterzahl zu bestimmen. Nun fügt man in einer Excel Tabelle alle 3 Werte mit der entsprechenden URL zusammen.

Lesewahrscheinlichkeitswerte

Anschließend wird die Lesezeit pro Wort (LPW) ermittelt, indem wir die Verweildauer durch die Wörterzahl teilen.

Lesezeit pro Wort

Der LPW-Wert sagt also aus, wie lange der Besucher im Durchschnitt zum Lesen für ein Wort benötigt. Dieser Wert allein bringt uns aber noch nicht viel, denn wir müssen ihn noch ins Verhältnis setzen, um ein Gefühl zu bekommen ob z. B. ein LPW von 0,87 gut oder schlecht ist.

Am besten realisieren wir das, indem wir die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit der Deutschen zu rande ziehen. Diese liegt laut meinem Buch “Schneller Lesen” von Wolfgang Schmitz bei ca. 250 Wörtern in der Minute, was umgerechnet 0,24 Sekunden pro Wort bedeutet. Diese 0,24 Sekunden setzen wir nun ins Verhältnis zu unserem LPW-Wert und erhalten das Lesewert-Verhältnis LWV (LWP/0,24 Sekunden).

Lesewertverhältnis

Welche Bedeutung haben die Werte?

Während der LPW aussagt wie lange der Besucher für das Lesen eines Wortes benötigt, verrät uns der LWV-Wert wie wahrscheinlich es ist, dass der Text auch gelesen wurde. Je näher der LWV an 1 ist, desto wahrscheinlicher wurde der Text von einem durchschnittlichen Leser mit 250 Wörtern pro Minute gelesen. Ist der Wert größer als 1, dann liest der Besucher langsamer und ist er kleiner als 1, dann liest der Besucher deutlich schneller als normal oder es ist etwas faul. Um das besser zu verdeutlichen, möchte ich mal zwei Rechenbeispiele aufzeigen.

Rechenbeispiel 1

Der Artikel “Fahrradcomputer einstellen Tabelle” hat einen LWV von 3,64. Das heißt der Artikel wird über 3 mal so langsam gelesen als ein durchschnittlicher Leser brauchen würde. Die Besucher haben sich also viel Zeit genommen und den Artikel wahrscheinlich sehr aufmerksam und komplett gelesen.

Die Lesegeschwindigkeit kann bei komplizierten Texten deutlich geringer ausfallen, wodurch dann ein hoher LWV-Wert entsteht. In meinem Beispiel werden ein paar komplizierte Begriffe mit weniger Worten erläutert. Allerdings gibt es auf dieser Seite eine umfangreiche Tabelle, in der man sich seinen entsprechenden Fahrradreifen Typ raussuchen muss, um die passende Einstellung für den Radcomputer zu finden. Die Recherche hält die Leute anscheint länger als normal auf der Seite.

Rechenbeispiel 2

Meine Startseite hat einen LWV von 0,18. Im Schnitt wurden pro Wort 0,04 Sekunden benötigt. Das entspricht einer Lesegeschwindigkeit von 1500 Wörtern pro Minute! Selbst ein sehr geübter Leser wird das wohl kaum schaffen. Es liegt also nahe, dass dieser Artikel nicht gelesen, sondern ehr kurz überflogen wird. Außerdem biete ich dem Leser innerhalb des Artikels sehr oft die Möglichkeit auf andere Inhalte zugreifen zu können (interne Verlinkung), wodurch der Leser oftmals zu einem früheren Punkt die Seite verlässt. Dennoch könnte ich mir hier vielleicht was einfallen lassen, um den Besucher etwas länger auf der Seite zu halten.

Wie viel Prozent meiner Seiten wurden gelesen?

Jetzt haben wir schon so schöne Werte ermittelt, da wäre es doch interessant zu wissen wie viel Prozent des Textes wenigstens gelesen wurde, wenn er schon nicht komplett gelesen wurde (LWV < 1).

Dazu müssen wir nur die Verweildauer durch die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit von 0,24 Sekunden pro Wort teilen und erhalten dann die Anzahl der gelesenen Wörter. Diese setzen wir dann ins Verhältnis zur Gesamtwortzahl des Artikels.

  • Verweildauer der Startseite = 147 Sekunden
  • 147 Sekunden durch 0,24 Sekunden pro Wort = 613 Wörter
  • 613 gelesene Wörter von 3319 Gesamtwörter = 18,45%

Es werden also nur 18% des Textes gelesen. Schade um den vielen Text, aber vielleicht ist es ja auch zu viel des Guten oder der Leser hat eigentlich andere Inhalte erwartet. Der Grund für den geringen Wert kann sehr vielfältig sein. Hier ist eine genaue Prüfung wichtig!

Ich habe diese Berechnung auch mal für die anderen Texte durchgeführt. Wer in Mathematik gut aufgepasst hat, erkennt, dass die Berechnung nichts weiter ist als der LWV-Wert mal 100.

Lesefortschritt in Prozent

Glaube nichts von dem was ich sage!

Alle Angaben entstammen aus Annahmen und Durchschnittswerten. Die Lesegeschwindigkeit kann je nach Thema sehr variieren. Sehr komplizierte Texte wird man wohl nicht mit 250 Wörtern pro Minute als normaler Leser bewältigen.

Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Verweildauer reduziert wird, wenn die Besucher keine weitere Aktion auf der Seite ausführen. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Absprungrate, die dazu führt, dass die Verweilzeit auf 0 Sekunden gesetzt wird. Da sich dieser Umstand aber bei allen Seiten ereignen kann, lässt sich dieser Fehler relativieren.

Was bringt dir der ganze Aufwand?

Mit Hilfe der Berechnungsmethode kannst du abschätzen, ob deine Texte gut bei den Leser ankommen und auch gelesen werden. Sollte das nicht der Fall sein, also dein LWV-Wert liegt unter 1, dann kannst du gegensteuern. Stelle dir einfach folgende Fragen:

  • sind meine Texte zu langweilig?
  • sind meine Texte zu kompliziert geschrieben?
  • sind meine Texte zu lang?
  • treffe ich die Erwartungen der Besucher bei dem Text?
  • kann ich den Text mit Bildern und Videos etwas auflockern?

Die aufgeführten Punkte erheben natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und sollen nur einige Anregungen geben.

Erstelle deine eigene Statistik für deine Seite

Wenn du auch mal deine Webseitentexte mit dieser Methode überprüfen möchtest, dann kannst du dir gerne völlig unverbindlich hier meine Excel-Vorlage runter laden.

Excel Vorlage Lesewahrscheinlichkeit

Welche Werte bekommst du raus? Werden deine Texte vollständig gelesen und hast du vielleicht noch eine Idee, welchen Wert man noch ermitteln sollte? Schreib einfach unten in die Kommentare.

 

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1 comment on “200 Besucher am Tag aber liest überhaupt jemand deine Inhalte?

Hallo!
Sehr interessanter Ansatz, den ich gleich mal ausprobieren muss auf meiner Seite. Danke für die Excel Vorlage, dass erspart mir schon mal etwas Arbeit.

Gruß
Marius

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